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| Die Tollwut ist schon aus der Antike bekannt. Rabies, der
medizinische Fachterminus, kommt von lateinisch rabidus (verrückt). Über
die Jahrhunderte galten Anblick und Klang eines tollwütigen Hundes als ein
Sinnbild für das Schreckliche schlechthin.
Die Tollwut wird von einem Virus aus der Familie der Rhabdoviren übertragen;
die Viren dieser Gruppe zeigen alle eine seltsame und für sie
charakteristische Form, die an eine Gewehrkugel erinnert. Alle Säugetiere können
von diesem Virus infiziert werden. So bilden vor allem wildlebende Tiere ein
Virusreservoir.
1804 wurde die infektiöse Natur der Tollwut wissenschaftlich anerkannt,
doch erst 1880 postulierte Pasteur, dass es sich bei dem Überträger wohl
nicht um ein Bakterium handele; Viren konnte man erst zwanzig Jahre später
sichtbar machen und identifizieren. Es war auch Pasteur, der das ZNS als den
Hauptangriffspunkt des Tollwut-Virus erkannte. Durch wiederholte Passage von
Hund zu Hund konnte er eine attenuierte, also weniger pathogene
Virusvariante darstellen. Weiterhin entwickelte er eine Methode der weiteren
Attenuierung dieses Virus mittels luftgetrockneten Rückenmarksgewebes. 1885
konnte mit diesem Präparat zum ersten Mal der Ausbruch von Tollwut bei
einem Menschen, der von einem Hund gebissen worden war, verhindert werden.
Das war der Beginn der modernen Tollwut-Impfung.
Infektionsprophylaxe mit Impfungen hat zum Zurückdrängen der Tollwut
geführt. Da Arzneimittel wie Antibiotika bei derartigen Virusinfektionen
wirkungslos bleiben müssen, ist auch in Zukunft die Tollwut-Impfung der
einzig gangbare Weg der Infektionskontrolle.
Damit auch in Zukunft Mensch und Tier unbesorgt durch den Wald gehen können.
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Pathologie der Tollwut
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Erreger
und Ansteckungswege
Erreger der Tollwut ist ein Virus uns der Gruppe der
Rhabdoviren mit gewehrkugelartiger Gestalt.
Der Hauptübertragungsweg ist das Einbringen von
Speichel eines infizierten Tieres unter die Haut durch eine Wunde oder
eine Hautabschürfung. Meistens geschieht dies durch den Biss eines
tollwütigen Tieres.
An der Infektionsstelle vermehrt sich das Virus zuerst
in Muskelzellen. Von dort aus wandern sie entlang der Nervenbahnen ins
Gehirn; dort vermehrt es sich weiter und erzeugt neurologische
Ausfallerscheinungen. Vom Gehirn breitet es sich im Körper weiter aus und
gelangt schließlich in die Speicheldrüsen und die Schweißdrüsen, von
wo aus es auf andere Tiere und Menschen übertragen werden kann.
Die weitgehend symptomfreie Inkubationszeit ist beim
Menschen in der Regel 3–8 Wochen, doch wurden in Einzelfällen
Inkubationszeiten von über einem Jahr gesehen. Die Dauer der
Inkubationszeit hängt stark von der Virusmenge und der Entfernung der
Eindringpforte zum Gehirn ab. So wurden bei Kopfwunden mit kürzeren
Inkubationszeiten beobachtet als bei Bissen in Arme oder Beine.
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Symptomatologie
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| Die Tollwut verläuft in drei Stadien. Während
der Inkubationszeit können uncharakteristische Symptome auftreten.
Das zweite Stadium ist durch die folgenden, sehr
spezifischen Symptome gekennzeichnet:
- Angstgefühle, Unruhe;
- Krämpfe der Rachenmuskulatur,
ausgelöst durch den Schluckakt;
- dadurch Angst zu trinken
- und Speichelfluss, um den Speichel
nicht schlucken zu müssen;
- typische
Wasserscheu: Sehen oder Hören von Wasser führt zu Unruhe & Krämpfen
- aggressiver und depressiver Gemütszustand
wechseln einander ab.
Im letzten Stadium lassen die Krämpfe und die Unruhe
nach bei gleichzeitiger fortschreitender Lähmung der Skelettmuskulatur.
Der Tod tritt durch Lähmung der Atemmuskulatur ein.
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Vorbeugende Maßnahmen
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| Bei
Personen, die beruflich mit möglicherweise infizierten Hunden und Tieren
zu tun haben, ist eine Impfung zu erwägen, ebenso vor Reisen in Länder
mit deutlich erhöhtem Tollwutrisiko (Indien, Thailand, China, Äthiopien).
Auch Haustiere mit Auslauf, Hunde und Katzen, sollten
gegen Tollwut geimpft werden. Vor Reisen in bestimmte Länder ist dies
Pflicht.
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Epidermiologie der
Tollwut
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| Nur
wenige Länder gelten als tollwutfrei; in Europa sind dies Großbritannien,
Irland, Norwegen und Schweden. Überall sonst in Nordeuropa, Nordasien und
Kanada bilden die Füchse, insbesondere der Rotfuchs das Hauptreservoir an
wildlebenden Tollwutüberträgern. Aber auch Dachse, Waschbären,
Schakale, Mungos und Skunks (Stinktiere) sind betroffen.
Von ihnen stecken sich Haustiere, vor allem Hunde und
Katzen, aber auch Schafe und Rinder an, die wiederum Menschen infizieren können.
In Afrika sind dies vor allem verwilderte Hunde und Katzen, in Mittel- und
Südamerika bilden Fledermäuse das Hauptreservoir. Diese Fledermäuse
saugen an anderen Tieren Blut wie beispielsweise bei Rinderherden, die
nachts im Freien stehen.
Ausgedehnte Impfungen von Füchsen durch präparierte
Tiere (Impfköder) haben die Tollwut in Europa massiv zurückgedrängt.
Doch kann sich nach Impflücken und einer ungehemmten Vermehrung der Füchse
– sie kennen kaum natürliche Feinde – die Situation jederzeit wieder
verschlechtern.
Die ersten Anzeichen einer Infektion treten im
allgemeinen nach 3–8 Wochen auf, jedoch kann die Krankheit auch deutlich
später ausbrechen. Inkubationszeiten von deutlich über einen Jahr wurden
gesehen. Es wurde beobachtet, dass die Inkubationszeit umso länger ist,
je weiter die Bissstelle von Kopf entfernt ist, denn das Virus vermehrt
sich von der Bissstelle ausgehend entlang den Nervenbahnen und dem Rückenmark.
Infizierte Tiere scheiden das Virus mit dem Speichel
aus; durch Biss können dann andere Tiere oder der Mensch angesteckt
werden. Auch erkrankte Menschen geben über ihre Speicheldrüsen
Viruspartikel ab, doch ist noch keine Übertragung auf diesem Wege bekannt
geworden. Durch intakte Haut kann das Virus nicht eindringen.
In Deutschland treten bei Menschen durchschnittlich
1–3 Todesfälle pro Jahr auf, in Europa 30 Fälle. In Asien ist die
Tollwut allerdings ein erhebliches Problem (China 5.000 Fälle pro Jahr,
Indien sogar 15.000). Bei Reisen in diese Länder sollte man dies
bedenken.
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